Ein alter Altvater, sehr betagt und krank, fast am Sterben, betete und sprach in seiner Seele mit Gott. Er prüfte sorgfältig seine Vergangenheit und seinen geistlichen Weg, um die Frucht des Heiligen Geistes zu erlangen. Vom guten Gott hatte er viele Gaben empfangen: die der Voraussicht, der Sanftmut, des rechten Urteils und viele andere, und doch dachte er, er habe in seinem Leben kaum etwas Gutes getan. Die Stimme Gottes aber enthüllte ihm sein schönes Leben.
Irgendwann wandten sich seine Gedanken den Jüngern des Klosters zu, dem er vorgestanden hatte, und er dachte, dass, wenn er diese nicht mit rechtem Urteil zur Erlangung der vollkommenen Liebe angeleitet habe, auch er nicht erlöst werden würde. Die Stimme Gottes in seinem Gewissen sagte ihm jedoch, dass auch seine Jünger erst dann die Erlösung erlangen würden, wenn sie es ihm gleichtäten.
In diesen Augenblicken betrat ein Laie, der in der Nähe des Klosters wohnte und große Ehrfurcht vor ihm hatte, die Zelle des Altvaters mit einem Schälchen mit einigen Früchten, um den Altvater in seiner schweren Krankheit zu trösten. Der Altvater nahm die Früchte mit Liebe an, und der Laie ging, um ihn nicht zu sehr zu ermüden, nach Hause.
Kurze Zeit später kam ein Mönch in die Zelle, um nach dem Altvater zu sehen. Der Altvater, der dachte, er hätte nicht mehr lange zu leben, gab das Schälchen mit den Früchten dem Mönch, der sich stets um ihn kümmerte. Der Jünger nahm die Früchte mit Liebe an, um den Altvater glücklich zu machen, aber als er die Zelle verließ, wagte er nicht, davon zu essen, da er sich eines solchen Almosens für unwürdig hielt, und dachte daran, sie dem Mönch zu bringen, der schwer bei der Feldarbeit schwitzte. Auch jener nahm die Früchte mit aller Liebe an, aber nachdem der Bruder gegangen war, brachte er es nicht über sich, sie zu essen, da er dachte, dass derjenige, der bei den Tieren arbeitet, sie nötiger habe, weil er in diesem üblen Geruch verweilt. Also ging er zu dem anderen, um sie ihm zu geben.
Auch dieser nahm sie mit Liebe an, aß aber ebenfalls nicht davon und brachte sie einem anderen, der von einer Krankheit, die er nur schwer überstanden hatte, sehr geschwächt war. Es ergab sich, dass diese Früchte bei allen Mönchen jenes Klosters umhergingen und keiner aß, sondern sie dem Bruder weitergab.
Der Letzte, der die Früchte erhielt, dachte an den alten Altvater und brachte sie ihm. Als der Mönch mit den Früchten im Schälchen eintrat, um sie ihm als Geschenk zu bringen, sprach eine geheimnisvolle Stimme Gottes zum Altvater, dass er nun in Frieden sterben könne, denn seine Jünger hätten die Nächstenliebe im Übermaß erfüllt. So übergab der Altvater seine Seele in die Hände Gottes, glücklich, dass die geistliche Anstrengung seines Lebens bei Gott würdige Früchte getragen hatte.