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Gleichnis

Der Holzfäller und das Schärfen der Seele

Zwei Männer arbeiteten im selben Wald beim Holzhacken. Die Bäume waren groß, stark und kräftig. Die beiden Holzfäller gebrauchten ihre Äxte mit derselben Meisterschaft, doch mit unterschiedlichen Methoden: Der erste schlug mit unvorstellbarer Beharrlichkeit auf den Stamm, Schlag auf Schlag, und hielt nur für wenige Augenblicke an, um wieder zu Atem zu kommen. Der zweite machte jede Stunde eine kleine Pause.

Bei Sonnenuntergang war der erste Holzfäller bei der Hälfte des Stammes angelangt. Er war schweißgebadet und hätte keine fünf Minuten länger durchgehalten. Der zweite, man konnte es kaum glauben, war fertig! Sie hatten zur gleichen Zeit begonnen, und die beiden Bäume waren gleich beschaffen! Der erste Holzfäller traute seinen Augen nicht!

„Ich verstehe gar nichts mehr! Wie hast du es geschafft, fertig zu werden, obwohl du jede Stunde aufgehört hast?“

Der andere lächelte: „Du hast gesehen, dass ich nach jeder Stunde aufgehört habe, aber du hast nicht gesehen, dass ich die Pause auch nutzte, um meine Axt zu schärfen.“

Deine Seele, o Mensch, ist wie die Axt. Lass sie nicht verrosten. Schärfe sie jeden Tag ein wenig: Halte von Zeit zu Zeit von der alltäglichen Zerstreuung inne und sinne über Gott nach! Denke immer an deinen Schutzengel und an deinen Schutzheiligen! Denke einen Augenblick auch an alle deine Lieben und erhebe ein Gebet für sie, aber auch für die ganze Welt! Umarme jeden Tag die Menschen, die dir lieb sind, und sage ihnen: „Ich liebe dich!“ Sei freundlich zu allen! Auch zu denen in deinem Haus! Lächle! Bete! Hilf jemandem, der dich braucht! Schau zum Himmel und blicke empor!