Eines Tages wollte ein Sektierer, ein vom rechten Glauben abgekommener Mann, einem Priester widersprechen und sagte zu ihm: – „Obwohl der Erlöser in der Bibel sagt, dass wir uns taufen lassen sollen, glaube ich nicht, dass es gut ist, Kinder zu taufen, sondern nur Erwachsene. Man muss warten, bis die Kleinen groß sind, und sie erst dann fragen, ob sie getauft werden wollen oder nicht. Nur so, als vollwertige Menschen, können sie wirklich entscheiden. Wie könnt ihr Orthodoxen nur Kinder taufen?“
– „Sage mir“, entgegnete der Priester, nachdem er ihm geduldig zugehört hatte, „ich weiß, dass Ihr Kinder habt; habt Ihr sie, als sie klein waren, zum Impfen zum Arzt gebracht?“ – „Ja“, antwortete der Mann. – „Warum habt Ihr nicht gewartet, bis sie groß sind, und sie zuerst gefragt, ob sie geimpft werden wollen oder nicht?“, fragte der Priester den Mann weiter. – „Weil ich nicht wollte, dass sie krank werden, und ich wusste, dass es gut für sie ist.“
– „Siehst du, genauso wissen auch wir, dass die Heilige Taufe gut für die Kinder ist und wir keinen Grund haben zu warten. So wie man ein kleines Kind impft, damit sein zerbrechlicher Körper nicht krank wird, so tauft man es auch, damit seine junge Seele nicht ‚krank‘ wird. Durch die Kraft des Heiligen Geistes, durch Seine Gnade, die so auf das Kind herabkommt, ist es ein neuer Mensch, bereit für ein neues und lichtvolles Leben: das christliche Leben.“
Der Sektierer senkte beschämt den Blick und entfernte sich, über die Worte des Priesters nachdenkend. Obwohl es einige gibt, die den rechten Glauben nicht kennen oder zu wenig wissen, kann der Priester sie lehren, sie durch das Dickicht dieses von Nöten und Sünden beladenen Lebens führen und sie zum Hafen der Erlösung bringen. Der Mensch muss auf seinen Priester, seinen Beichtvater, hören und über dessen Worte nachdenken.
„Die Herde Christi wird mit der Flöte gehütet, nicht mit dem Stock, das heißt mit Sanftmut, nicht mit Strenge. Sie wird mehr durch das Beispiel des Lebens des Priesters gehütet, nicht nur mit der Predigt von der Kanzel.“ (Vater Paisie Olaru)