Eines Tages kam ein junger Mann zu einem alten Mönch, um zu beichten und ihn um Rat zu bitten. Im Laufe des Gesprächs sagte der junge Mann zu ihm: „Vater, ich bin ziemlich schlecht. Ich möchte mich ändern, aber ich kann es nicht. Ich verliere leicht die Geduld. Wenn ich wütend werde, rede ich schlecht und vieles mehr. Ich habe versucht, mich zu ändern, aber es ist mir nicht gelungen. Dennoch hoffe ich, dass ich mich ändern kann, wenn ich älter werde, nicht wahr?“
„Nein“, antwortete der alte Mann. „Komm mit mir!“ Er führte den jungen Mann hinter seine Zelle, wo der Wald begann, und sagte zu ihm: „Siehst du diesen Schössling, weißt du, was das ist?“
„Ja, Vater, ein junger Tannenbaum.“
„Reiß ihn aus!“
Der junge Mann zog den kleinen Tannenbaum sofort heraus.
Als sie weitergingen, blieb der Mönch neben einem etwas höheren Tannenbaum stehen, fast so groß wie ein Mensch. „Jetzt reiß diesen hier aus.“ Der Junge mühte sich mit dem Bäumchen ab, doch mit einiger Anstrengung schaffte er es schließlich, ihn herauszureißen.
Der Mönch zeigte auf eine etwas größere Tanne und sagte ihm erneut: „Reiß nun jene dort aus.“
„Aber die ist ziemlich groß, das schaffe ich nicht allein.“
„Geh und hol noch jemanden zur Hilfe.“
Als der junge Mann mit zwei weiteren Burschen zurückkam, zogen und zogen sie an dem Baum und schafften es schließlich unter großer Mühe, ihn herauszureißen.
„Jetzt reißt die prächtige Tanne dort drüben aus.“
„Vater, aber das ist ein großer und alter Baum. Wir könnten ihn niemals entwurzeln, selbst wenn wir hundert Leute wären.“
„Siehst du nun, mein Sohn? Hast du verstanden, dass es mit den schlechten Gewohnheiten in der Seele genauso ist? Jedes Laster oder jede Schwäche scheint anfangs harmlos und unbedeutend zu sein, aber mit der Zeit schlägt sie Wurzeln, wächst und ergreift immer mehr Besitz von deiner Seele. Solange sie noch klein ist, kannst du sie selbst ausreißen. Später jedoch wirst du Hilfe brauchen, aber hüte dich davor, das Böse sich tief in deiner Seele einnisten zu lassen, denn dann wird es dir niemand mehr herausreißen können. Zögere niemals, deine Seele und dein Leben zu reinigen, denn später wird es viel schwieriger sein. ‚Es nützt nichts, die Zweige der Sünde außerhalb von uns abzuschneiden, wenn in uns die Wurzeln bleiben, die wieder wachsen werden.‘“