Max und Peter waren Schüler in der dritten Klasse. Sie wohnten in derselben Straße einer Stadt. Früher waren sie gute Freunde gewesen. Doch aus einem unbedeutenden Grund kam es zum Streit zwischen ihnen, und sie begannen, sich wie Feinde zu hassen. Wenn Max aus seinem Hof kam, rief er seinem Nachbarn zu: „He, du Dummkopf!“ Und er zeigte seinem ehemaligen Freund die Faust. Peter antwortete: „Du redest, der du doch nur ein Mistkäfer bist?“ Und auch er drohte ihm mit der Faust.
Ihre Schulkameraden versuchten unzählige Male, sie zu versöhnen, doch jede Anstrengung war vergebens: Sie waren starrköpfig. Schließlich begannen sie, sich gegenseitig mit Schlamm zu bewerfen.
Nicht lange danach regnete es in dieser Gegend fürchterlich. Dann zogen die Wolken ab und die Sonne zeigte sich wieder, aber die Straße stand unter Wasser. Wer sie überqueren wollte, prüfte mit dem Fuß die Tiefe des Wassers und zog den Fuß wieder heraus.
Max kam aus dem Haus, blieb am Tor stehen und blickte sich vergnügt um: Überall war es nach dem Regen sauber und alles glänzte im Sonnenlicht. Doch plötzlich verdüsterte sich sein Blick. Er bemerkte, dass Peter ihm gegenüber ebenfalls am Tor seines Hofes stand. Er bemerkte auch, dass er einen Ziegelstein in den Händen hielt. „So ist das“, dachte Max, „du willst einen Stein nach mir werfen! Gut, das kann ich auch!“ Er rannte in den Hof, suchte und fand einen Ziegelstein und kam wieder ans Tor, bereit, sich zu verteidigen.
Doch Peter warf den Stein nicht nach seinem Feind. Er bückte sich und legte den Ziegelstein vorsichtig ins Wasser. Dann prüfte er mit dem Fuß, ob der Ziegelstein wackelte, und verschwand wieder. Der Stein sah aus wie eine kleine Insel.
„Aha!“, sagte Max, „so etwas kann ich auch“. Und er legte seinen Ziegelstein ins Wasser.
Peter brachte einen zweiten Ziegelstein. Vorsichtig setzte er den Fuß auf den ersten und ließ den zweiten Ziegelstein ins Wasser, in einer Linie mit dem Ziegelstein seines Feindes. Dann brachte Max drei Ziegelsteine. So bauten sie einen Übergang.
An beiden Rändern standen die Nachbarn der beiden Jungen: Sie sahen ihnen zu und warteten ab, was geschehen würde. Schließlich blieb nur noch ein Schritt zwischen dem letzten Stein und dem letzten Ziegelstein. Die Jungen standen sich gegenüber. Nach langer Zeit blickten sie sich nun wieder in die Augen und Max sagte: „Ich habe eine Schildkröte. Sie lebt bei uns im Hof. Willst du sie nicht sehen?“ Peter lächelte und umarmte Max. Die beiden baten einander um Verzeihung, versöhnten sich und gingen los, um die Schildkröte anzusehen.