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Gleichnis

Leib und Seele

Zwei Männer unterhielten sich. Einer von ihnen war reich, aber hatte keinen Glauben. Er war stets besorgt, dass es ihm und seiner Familie an nichts fehle.

Daraufhin fragte ihn sein Freund: „Sag mir, wenn du zwei Kinder hättest, aber nur eines ernähren würdest, während das andere Hunger leidet, wäre das gerecht?“

„Natürlich nicht“, antwortete der reiche Mann.

„Aber wenn du nur dieses eine Kind kleiden würdest, während das zweite vor Kälte zittert, wie wäre das?“

„Das wäre selbstverständlich eine Ungerechtigkeit.“

„Und wenn du dann selbst sagst, dass so etwas eine Ungerechtigkeit ist, warum handelst du dann so?“

„Wie meinst du das?“, empörte sich der Mann. „Ich behandle meine Kinder gleich, ich zeige ihnen dieselbe Liebe. Warum sagst du so etwas?“

„Ich meinte nicht deine Kinder, sondern zwei andere gute Geschwister, für die du dein ganzes Leben lang hättest sorgen sollen: deine Seele und dein Leib. Und du bist nicht gerecht zu diesen Geschwistern. Du kümmerst dich nur um das eine und vernachlässigst das andere völlig. Ihr habt schöne Kleider und seid gut genährt, du und die Deinen, aber was die Seele braucht, fragt ihr euch nicht? Sie kann nur das Gewand des Glaubens tragen, um das du dich nicht gekümmert hast, und sie kann sich nur von der göttlichen Lehre, von Liebe und Barmherzigkeit nähren.

Also, vergiss den anderen Bruder nicht, denn Leib und Seele sind wie zwei gute, unzertrennliche Geschwister. Das eine kann nicht ohne das andere leben. Sorge für beide, und dann wirst du wahrhaft gerecht und glücklich sein. Hüte dich davor, dem Sünder zu gleichen, der nur mit dem Leib lebt, während seine Seele tot ist. ‚Nichts ist größer als der Mensch mit Gott und nichts kleiner als der Mensch ohne Gott‘ (Heiliger Tichon).“