In jenem Jahr brach eine schreckliche Hungersnot aus. Die Menschen hatten nichts zu beißen und starben zu Hunderten vor Hunger.
In der Stadt Hârlău rief ein herzensguter und reicher Mann die armen Kinder zu sich und sagte zu ihnen: „Kinder, in diesem Korb ist für jeden von euch ein Brot. Kommt jeden Tag und holt euch euer kleines Brot, bis der gute Gott sich unser erbarmt und bessere Tage schickt.“
Die Kinder stürmten zum Korb und wetteiferten darum, das Brot zu ergreifen, das ihnen am größten und schönsten erschien, und gingen dann, ohne ihrem Wohltäter auch nur zu danken. Von allen stand nur Irina, ein in ärmliche, aber saubere Kleidung gehülltes Mädchen, beiseite, nahm das kleinste Brot, das im Korb zurückgeblieben war, küsste dann die Hand des wohlhabenden Mannes und ging fröhlich nach Hause.
Am nächsten Tag kamen die Kinder wieder und benahmen sich wie beim ersten Mal. Die arme Irina nahm auch dieses Mal ein Brot, das kaum halb so groß war wie das der anderen. Als sie das Brot zu ihrer kranken Mutter nach Hause brachte und diese es in zwei Hälften brach, fiel eine Menge Silbermünzen daraus hervor. Ihre Familie war erstaunt.
„Bring das Geld zurück“, sagte ihre Mutter, „denn es ist sicherlich aus Versehen in den Teig geraten.“
Irina rannte schnell zurück und reichte ihrem Wohltäter das Geld. Aber er sah sie lange an und sagte: „Nimm dein Geld, mein Mädchen! Es ist kein Versehen. Ich habe absichtlich befohlen, dieses Geld in das kleinste Brot zu legen, um deine Sittsamkeit zu belohnen. Sei auch weiterhin so gut, so sanft und so bescheiden, denn eines guten Tages wird Gott dir, wie in diesem Brot, unerwartet eine unvergängliche Krone schenken – einen Platz im Himmel, an Seiner Seite.“