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Gleichnis

Das Sehen der eigenen Sünden

Zwei Frauen kamen zu einem Altvater zur Beichte. Die eine weinte und sagte, sie habe eine schwere Sünde, während die andere mehr über die Fehler anderer sprach und sagte, sie habe viele, aber kleine Sünden begangen (so betrachtete sie diese). Daraufhin sagte der Altvater: „Geht hinaus in den Hof: Du, die du eine schwere Sünde hast, bringe einen Felsbrocken her, so groß du ihn tragen kannst, und du, sammle kleine Steine in deiner Schürze, nimm so viele, wie du tragen kannst.“

Nachdem sie dies getan hatten, sprach der Altvater zu ihnen: „Geht nun und legt sie dorthin zurück, wo ihr sie genommen habt.“ Die Frau mit dem Felsbrocken trug ihn sogleich zurück, denn sie kannte den Ort. Aber die andere kam nach einer Weile mit der Schürze voller kleiner Steine zurück und sagte, sie könne die Orte nicht mehr finden, von denen sie sie genommen hatte.

Da sprach der Altvater erneut: „Die Sünde dieser Frau wurde leichter vergeben, weil sie ständig an sie gedacht hat, doch deine Seele bleibt von Sünden beschwert, weil du an die der anderen gedacht hast und nicht an deine eigenen, um zu wissen, woher sie stammen und wie du sie entfernen kannst.“

Im Leben sehen wir immer die Sünden der anderen und weniger unsere eigenen. Mit unseren eigenen sind wir sanftmütig und barmherzig, mit den fremden aber streng und unerbittlich. Immer wieder hören wir Menschen sagen: „Aber was für große Sünden habe ich denn begangen?“ Erst wenn diese Menschen vor den Beichtvater treten, beginnen sie zu erkennen, wie viele Sünden sie begangen haben und von wie vielen sie nicht einmal wussten, dass sie existieren, dass sie sie begangen haben oder noch begehen.