In einem kleinen Dorf lebten zwei Männer, die sich ständig miteinander stritten. Aus den geringsten Anlässen brach immer ein Streit zwischen ihnen aus. Das Leben wurde unerträglich, sowohl für den einen als auch für den anderen, ja sogar für das ganze Dorf.
Eines Tages sagten einige Ältere zu einem von ihnen: „Der einzige Ausweg, der dir noch bleibt – nachdem wir alles versucht haben – ist, zu Gott zu gehen und mit Ihm zu sprechen.“
„Das werde ich tun, aber wohin soll ich gehen?“, fragte er.
„Nichts leichter als das. Es genügt, dort auf den Berggipfel zu steigen, und du wirst Gott sehen.“
Ohne zu zögern, machte sich unser Mann auf den Weg, um Gott zu begegnen. Nach vielen anstrengenden Tagen des Gehens erreichte er den Gipfel des Berges. Gott war dort und wartete auf ihn. Vergeblich rieb sich unser Mann die Augen; es gab keinen Schatten eines Zweifels: Gott hatte das Antlitz seines streitsüchtigen und unausstehlichen Nachbarn.
Niemand weiß, was Gott ihm gesagt haben mag. Auf jeden Fall war er, als er ins Dorf zurückkehrte, nicht mehr derselbe. Doch trotz all seiner Fürsorge und seines Wunsches nach Versöhnung mit seinem Nachbarn liefen die Dinge weiterhin schlecht, da der andere immer neue Streitgründe suchte.
Die Älteren sagten zueinander: „Es wäre gut, wenn auch er ginge, um Gott zu sehen.“ Trotz seiner Sturheit gelang es ihnen schließlich, ihn zu überzeugen, auf den hohen Berg zu gehen. Und dort, auf dem Gipfel, entdeckte auch er, dass Gott das Antlitz seines Nachbarn hatte.
Von diesem Tag an änderte sich alles, und der Frieden begann über jenes kleine Dorf zu herrschen.
Also, `wenn du Gott sehen willst, schau auf deinen Nächsten. Jeder trägt das Abbild Gottes in sich`.